Frauennetzwerk Connecta

Interview mit Connecta-Frau Dagmar Wolsing


Dagmar Wolsing, 41, ist seit neun Jahren Mitgliedsfrau bei Connecta. Ihr beruflicher Werdegang begann mit einer Ausbildung zur Bankkauffrau und verschiedenen Fortbildungen, u. a. zur Sparkassenbetriebswirtin. Es folgte neben der Berufstätigkeit ein Fernstudium zur Diplom-Kauffrau. Dem Finanzbereich ist sie in ihrer über zwanzigjähriger Berufstätigkeit treu geblieben und arbeitet heute als selbständige Beraterin (www.arsnumeri.de).

Sie lebt mit ihrem Mann und zwei Kindern in Essen. Dort ist sie seit Ihrer Jugend ehrenamtlich aktiv, u. a. in der Kirchengemeinde, bei den Pfadfindern und Netzwerken.

Das Jahresthema von Connecta heißt "Frauen und wirtschaftliche Macht". Klingt ganz nach dem perfekten Thema für Dich?

Ja. Frauen und wirtschaftliche Macht ist irgendwie seit langem mein Thema. Schließlich arbeite ich beruflich seit zwanzig Jahren mit Unternehmern, überwiegend also Männern, und gelte nicht selten als Exotin. Was mir leider immer wieder auffällt, ist, dass Frauen den Begriff der Macht häufig negativ besetzen. Macht heißt doch eigentlich vor allem, Risiken zu tragen und Verantwortung, nicht zuletzt soziale Verantwortung, zu übernehmen. Also eindeutig positiv!

"Weibliche Erfolgsgeschichten" ist das Thema zu dem Du bei Connecta und anderen Frauennetzwerken in letzter Zeit u.a. referiert hast. Kannst Du es kurz vorstellen?

Der Vortrag ist im Rahmen des Jahresthemas von Connecta entstanden. Ich selber sammele schon länger Infos zu interessanten, erfolgreichen Frauen – wahrscheinlich, weil es in meinem beruflichen Umfeld nur so wenige Frauen gibt. Jetzt habe ich konkret nach Gemeinsamkeiten erfolgreicher Frauen gesucht. Irrtümer, Klischees und Karrierefaktoren habe ich herausgearbeitet. Mein persönliches Fazit lautet, dass es zur Zeit einfach zu wenig weibliche Vorbilder gibt. Aber ich wage die Prognose, dass die Zukunft weiblich ist.

Für viele bist Du auch eine "Weibliche Erfolgsgeschichte". Bist Du somit eine echte Connecta Vorzeigefrau?

Nein. Als Vorzeigefrau sehe ich mich absolut nicht. Es gibt bei Connecta viele Frauen, die in ihrem Bereich ganz toll sind. Was an mir wohl besonders auffällt, ist die Bandbreite meiner Aktivitäten. Ich bin beruflich sehr engagiert, bin gleichzeitig ehrenamtlich aktiv und habe eine Familie mit zwei Kindern. Diese Vielfalt ist wohl für viele interessant und sie staunen, wie ich das alles unter einen Hut bringe.

Wie sieht denn für Dich persönlich beruflicher Erfolg aus?

Für mich heißt Erfolg, dass ich selbstbestimmt arbeiten kann und dabei mit meiner Leistung inhaltlich zufrieden bin. Besonders wichtig ist mir, dass Kollegen und Kunden mit dem Ergebnis ebenso tadellos zufrieden sind. Erfolg ist für mich kein Synonym für Macht, Einfluss oder Karriere. Vielmehr bedeutet es für mich, die Möglichkeit zu nutzen, über stetig neue und anspruchsvollere Aufgaben, meine Grenzen testen zu können.

In Deinem Vortrag zitierst Du unter anderen Inge Sandstedt mit den Worten " Nur dort, wo wir vor Ort sind, können wir etwas erreichen". Dies scheint zur Zeit auch Dein Motto zu sein.

Du spielst auf meine Teilnahme an den Gründerinnen- bzw. Unternehmerinnen-Tagungen in Berlin, Stuttgart und Düsseldorf an. Nur durch eine große Anzahl aktiver Teilnehmerinnen, kann eine solche Veranstaltung etwas bewirken. Mit meinem beruflichem Wissen und meiner Erfahrung möchte ich auf die Besonderheiten von Frauen als Unternehmerinnen hinweisen und diese Rolle außerdem stärken. Vor allem die Förderung durch öffentliche Gelder ist noch nicht optimal auf Frauen ausgerichtet. So ist es zur Zeit fast unmöglich, Mittel für eine Teilzeit-Selbständigkeit zu bekommen.

Nach Jahren im Angestelltenverhältnis bist Du selbst zur Unternehmerin geworden. Woher nimmst Du den Freiraum und die Kraft für Deine ganzen Aktivitäten und nicht zuletzt für Deine Familie?

Die Selbständigkeit ermöglicht mir, meinen Tagesablauf individueller zu gestalten. Vor allem lässt sich mein Beruf jetzt besser mit der Familie vereinbaren. Natürlich benötige ich auch die Unterstützung meines Mannes und meines privaten Netzwerks. Allerdings habe ich auch schon den Zustand totaler Erschöpfung erlebt.

Im Endeffekt schöpfe ich viel Kraft aus meinem christlichen Glauben, der in meinem Leben einen hohen Stellenwert hat.

Netzwerke sind wichtig. Aber auch die wollen gepflegt werden, oder?

Natürlich ist es wichtig, Kontakte zu pflegen. Der Aufwand ist jedoch unterschiedlich. Ich habe so tief gefestigte Beziehungen, bei denen ein oder zwei Treffen im Jahr ausreichen. Bei jüngeren Netzwerken bin ich häufiger präsent. Im Fall von Connecta versuche ich schon regelmäßig zu den monatlichen Treffen zu gehen bzw. zwei oder drei Wochenenden für bundesweite Aktionen frei zu halten. Einen gemeinsamem Abend oder ein direktes Telefongespräch ziehe ich übrigens E-Mails bei weitem vor. Außerdem konzentriere ich mich auf einige wenige, sonst hätte ich ja keine Zeit für anderes mehr.

Wieso bist Du gerade schon bei Connecta solange dabei?

Ich bin schon so lange bei Connecta, weil ich kein Netzwerk-hopping betreiben will und überzeugt bin, dass langjährige Verbindungen Vertrauen schaffen und einen intensiven, persönlichen Kontakt ermöglichen. Bei Connecta habe ich zu Beginn Frauen getroffen, die interessant waren und ebenfalls immer noch bei Connecta sind. Mit jeder neuen Mitgliedsfrau erweitert sich zusätzlich das Spektrum, so dass es nie langweilig wird.

Zum Schluss noch mal zurück zum Thema Selbständigkeit. Man muss sicherlich ganz schön risikofreudig sein. Hast Du keine Angst vorm Scheitern?

Der Selbständigkeit lag ein sehr durchdachtes Konzept zu Grunde. Außerdem besaß ich ja schon lange Jahre Berufserfahrung in diesem Bereich. Das ist mein Kapital. In dieser Zeit habe ich neben meinem Wissen auch gezielt ein großes berufliches Netzwerk aufgebaut. Kooperationen sind für selbständige Beraterinnen sehr wichtig. Ich habe mich aber auch persönlich extrem geprüft. Fragen wie "Kann ich akquirieren?" oder "Kann ich mein Büro und die Verwaltungsangelegenheiten selbst organisieren?" halte ich für sehr wichtig. Im Endeffekt habe ich mir sehr viel Zeit für die Vorbereitung gelassen. Das Risiko des Scheiterns habe ich also begrenzt und bin es dann bewusst eingegangen.

Und wie sieht es mit PR in eigener Sache aus? Viele Frauen stellen ihr Licht ja leider unter den Scheffel.

In meiner Branche ist es aufgrund von Bank- und Steuergeheimnis bzw. der Vertraulichkeit der Kundeninformationen nicht möglich die große Werbetrommel zu rühren. Die beste PR sind zufriedene Kunden, die mir vertrauen und deshalb wiederkommen und mich weiterempfehlen. Außerdem sehe ich meine Persönlichkeit als entscheidendes Mittel. Ich stehe vor allem für Verlässlichkeit, Einsatz für die Kunden und Fairness.

 

Stand dieser Information: 9/2004